Solingerin des Jahres 2021

Daniela Tobias

Solingerin des Jahres Daniela

Pandemie bedingt konnten wir im vorigen Jahr die 24. Walpurgisnacht im Kunstmuseum nicht feiern. Der besondere Höhepunkt jeder Walpurgisnacht war immer die Verleihung der Silbernen Hexe an eine Frau, die sich um die Stadtgemeinschaft in besonderer Weise verdient gemacht hat, umso mehr freuen wir uns  die Silberne Hexe im Rahmen unseres Literaturbrunches in der Stadtbibliothek verleihen zu können.
Die Frau, die wir heute ehren wollen wurde 1976 in Troisdorf geboren kam aber schon im Alter von 3 Jahren von der Sieg an die Wupper, insofern ist das eben gehörte Flussrauschen für sie sicherlich ein durchaus vertrautes Geräusch.
Unsere Solingerin des Jahres 2021 besuchte in Ohligs die GS Bogenstrasse und machte in Wald am Humboldtgymnasium  Abitur. Nach dem Schulabschluss absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Bauzeichnerin, arbeitete aber auch für das Solinger Tageblatt als Fotografin.Später studierte sie Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal.
Ihr seit vielen Jahren ehrenamtliches Engagement ist vielseitig.
So vielseitig, dass es in dieser Laudatio gar nicht umfassend dargestellt werden kann. Daher setzte ich hier heute einen in der Laudatio einen Schwerpunkt auf ihre aktuellen Aktivitäten.
Schon früh hat sie bei der Solinger Ortsgruppe von Amnesty International mitgearbeitet. U.A. mit einem für das Ehrenamt interessanten Beobachtungsprojekt wie ehrenamtliches Engagement funktioniert und wo es an seine Grenzen stößt.*Sie drehte  auch für Amnesty  einen Dokumentarfilm über Vorbereitung und Durchführung  der stadtweiten Aktion Gold für Menschenrechte anläßlich der umstrittenen Olympischen Spiele in Peking.
2019 bekam sie den silbernen Schuh des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage für ihr mutiges Eintreten gegen Fremdenfeindlichkeit , Ausgrenzung und Diskriminierung.
– Selten war sich die Jury so einig, wie in diesem Fall- erklärte damals  Oberbürgermeister Kurzbach bei der Ehrung der Preisträgerin.
Ihr Eintreten für die allgemeinen Menschenrechte, für die Unantastbarkeit der Menschenwürde ist dabei nie verbunden mit lautem Aktionismus. Sie ist eher eine stille Macherin,eine Anpackerin, die leise aber beharrlich gegen das Vergessen arbeitet.

Sie ist Mitbegründerin und Vorsitzende der Bildungs und Gedenkstätte für Verfolgung und Widerstand in Solingen. Der Verein wird am historischen Standort der Solinger Arbeiterbewegung eine Gedenkstätte aufbauen. Dieser historische Standort mitten in Solingen ist die Max-Leven Gasse. Max Leven ,jüdischen Glaubens, Kulturredakteur der Bergischen Arbeiterstimme lebte hier mit seiner Familie bis1940.
Nazihandlanger kamen, die ihn in seiner eigenen Wohnung im Beisein seiner Frau und seiner 4 Kinder quälten und mit einem gezielten Pistolenschuss grausam hinrichteten.
Dort wo sein Wohnhaus stand wird die Sparkasse bis 2023 ihre Hauptstelle neu errichten.
Unsere Solingerin des Jahres 2021 hat mit ihren Mitstreitern/innen sehr beharrlich gegen viele Widerstände dafür gekämpft, dass die Gedenkstätte  Max Leven in diesen Neubau integriert wird.

Rückblickend auf die Zeit des Nationalismus in Solingen sagt sie:
Es wurden nicht nur Menschen ermordet. Es sollten auch alle Erinnerungen getilgt werden. Mein Ziel ist es den Ermordeten und  Verfolgten ihren Platz wiederzugeben. Raum zu schaffen durchaus im doppelten Sinne. Ihre Geschichte zu erzählen, Verbindungen herzustellen, gerissene Fäden wieder zu knüpfen. 

Als Basis für den zukünftigen Gedenkort wird vom Verein z.Zt. im Kunstmuseum unter dem Titel   ..und laut zu sagen NEIN eine Ausstellung gezeigt, die auf der Grundlage von Lebensläufen und Lebenserzählungen exemplarisch die Nazizeit mit allen ihren Grausamkeiten ,ihrer Gewalt und Missachtung der Menschenrechte
zeigt. Es werden Menschen porträtiert, die für ihr mutiges NEIN einen hohen Preis gezahlt haben.

Unsere Solingerin des Jahres wird mit ihrem Team diese Ausstellung  als Archiv in die Gedenkstätte einbringen. Ein Archiv,  das ständig erweitert und ergänzt werden wird.Es ist ihr ein besonderes Anliegen für Schüler/innen einen Ort zu schaffen, an dem sie sich über unsere Stadtgeschichte informieren und auseinandersetzen können.
Sie sagt: mit dieser Ausstellung in der Gedenkstätte haben alle Solinger/innen die Möglichkeit zu erfahren, was vor ihrer Haustür, in ihrer Strasse ,in ihrem Stadtteil während der Terrorherrschaft der Nazis passiert ist.
Auch 88 Jahre nach der Machtergreifung des Hitlerregimes soll der Gedenkort Mahnung und Aufforderung zum Handeln gegen Intoleranz, Rassismus und Ausgrenzung sein.  Es gibt eben nicht nur ein Gestern. Nichts ist wirklich vergangen. Es gibt leider auch ein Heute in dem radikales Freund/ Feind-Denken wieder sehr aktuell ist und rechtsextremistische Parteien an Boden gewinnen.

Ich denke, es ist ganz im Sinne unserer Preisträgerin an uns alle zu
appellieren jede Stunde, jeden Tag, wenn es nötig ist laut und unüberhörbar NEIN zu sagen.

Der Hexenkessel verleiht heute Daniela Tobias die Silberne Hexe verbunden mit dem Dank, das sie und ihre Mitstreiterinnen ein starkes Zeichen setzen gegen Intoleranz und wegschauende Gleichgültigkeit in unserer Stadt. 

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